Soldaten in der heutigen Fußgängerzone - links hinten der Pfarrhof
Soldaten in der heutigen Fußgängerzone - links hinten der Pfarrhof

Der 1. Weltkrieg in Saalfelden

33 Tage nach den tödlichen Schüssen auf den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajewo wurde am 31. Juli 1914 die allgemeine Mobilisierung ausgesprochen und bereits am nächsten Tag mussten ca. 300 Reservisten und Landsturmmänner aus Saalfelden einrücken. Es dauerte nicht lange und der Krieg machte sich im Alltag bemerkbar: die Preise begannen zu steigen, die Versorgung wurde knapper und die ersten Nachrichten von Gefallenen und Verwundeten trafen ein. Vor allem die Versorgung mit Lebensmittel und Heizmaterial und die damit einhergehende Preissteigerung bzw. Wucher war ein dominantes Problem während des Ersten Weltkrieges für die Bewohner der Stadt- und Landgemeinde Saalfelden. 1916 wurde erstmalig in Österreich aufgrund der wirtschaftlichen Lage die Sommerzeit eingeführt. Sie wurde bereits 1920 wieder abgeschafft. Trotz des Krieges war man aber auch bemüht, so etwas wie Normalität aufrechtzuerhalten. So wurde 1916 in Saalfelden das erste Kino eröffnet. Im Haus Nr. 11 richtet Herr Engelbert Embacher ein „Kinematographentheater“ ein. Die Gemeinde, die von dieser Entwicklung ebenfalls profitieren wollte, erließ darauf hin eine Kinosteuer!

 

Für Kinder und Jugendliche bedeutete der Erste Weltkrieg, nicht nur die Trennung von ihren Vätern, Onkeln und älteren Brüdern sondern auch eine entscheidende Veränderung in ihrem Schulalltag. In der Volks- und Bürgerschule (heute NMS Saalfelden) wurde anfänglich im Turnsaal ein Strohlager für Flüchtlinge eingerichtet und danach wurde die Schule in ein Kriegslazarett umfunktioniert. Der Unterricht wurde in den umliegenden Gasthäusern abgehalten. Den Unterricht hielten meist nur mehr Lehrerinnen, zum Teil Lehramtskandidatinnen, die ihre Arbeit unentgeltlich machten. Außerdem mussten die Kinder, die in den Krieg gezogenen an ihren Arbeitsplätzen ersetzen und auf den Bauernhöfen arbeiten, anstelle die zur Schule zu gehen. Die Kinder und Jugendlichen konnten den Mangel an Arbeitskräften aber nie und nimmer ausgleichen, darum wurden russische Kriegsgefangene als Feldarbeiter eingesetzt.

1916 wurde das Notreservespital bereits wieder aufgelöst – ein Heizungsdefekt machte es unbenutzbar. Nach eingehender Desinfektion wurde das Schulhaus am 16. April 1917 wieder von den Schülern bezogen. Aufgrund des Mangels an Heizmaterial war ein durchgehender Unterricht allerdings nicht möglich.

 

Im letzten Kriegsjahr stiegen kriminelle Übergriffe und die Gemeinde war darum bemüht die öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten. Vor allem kam es durch Soldaten, die in überfüllten Zügen in Saalfelden ankamen zu Plünderungen. So wurden am 5. November das Frachtenmagazin sowie das Magazin von Alois Dick geplündert und zerstört. Es wurden Flurwachen installiert, die Diebstähle verhindern sollten bzw. wurde die polizeiliche Sperrstunde ab dem 3. November 1918 auf 22 Uhr vorverlegt und Jugendliche durften sich bereits ab 19 Uhr nicht mehr auf öffentlichen Plätzen aufhalten. Einen Tag später legte Kaiser Karl die Befehlsgewalt über das Armee-Oberkommando nieder und verzichtete am 11.11.1918 auf seinen Regierungseinfluss. Am 12.11.1918 erfolgte die Ausrufung der "Republik Deutsch-Österreich" vor dem Parlament in Wien. Dieser Krieg, bei dem die Einrückenden am 31. Juli 1914 in Saalfelden die Hoffnung hatten bereits zu Weihnachten des gleichen Jahres wieder zu Hause zu sein, dauerte 1563 Tage.